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Produktionsbeispiele

 

Storyboard-Texte von Studiosus Young-Line-Travel

 

Textprobe des Storyboards (Reisetagebuch) Vietnam 2003

 

 

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Vietnam

Xin chào, Roter Fluss - Good Morning, Miss Saigon

Vorwort

Deutschland-Vietnam 1:1. Unser ganz privates Länderspiel mit einer Jugendmannschaft aus Hue ging unentschieden aus. Da kannten wir schon die Regeln: Lass dem Gegner sein Gesicht. Der siegreiche Kommunismus hat Saigon sein Gesicht gelassen, und der Dollar dem Norden sein morgendliches Tai Chi nicht nehmen können. Das Land, wo jeder zweite unter 25 ist, ist auch als Travellerziel noch ein Youngliner. Voller Abenteuer und Kultur, voller Mythen und makabren Überresten der Kriege. Ein Land, das Kobraschnapps zur Verdauung trinkt, kann mehr als eine einzige Kultur schlucken...

Storyboard

Hanoi

Wozu ein Auto, wenn auf einem Moped fünf Personen Platz finden, - wenn es sein muss, noch ein Teppich dazu. „Wie viele Menschen gehen auf ein Fahrrad?“ - „Genau so viele!“ Reisebegleiter Jörg hat recht. Aber statt fünf Personen, sind es zwei Männer und drei lebende Ferkel, die auf einem Drahtesel um die nächste Ecke kommen. Hanoi scheint auf der Straße zu leben. Die Trottoirs verwandeln sich des Nachts zu Wohn- und Esszimmern, der Duft von frischem Koriander mischt sich mit dem Geruch von Räucherstäbchen aus den 500 Pagoden und Tempelchen der Altstadt. Beim Begrüßungsessen lassen auch wir die Ess-Stäbchen kräftig klacken.

Jörg bringt uns zur ersten Uni Vietnams, van Mieu, einem tausend Jahre alten Literaturtempel, wo es im Examen nur um Konfuzius ging. Volle drei Tage dauerte der Prüfungsstress für die Beamtenanwärter, die gleich ihr Bettzeug mit dabei hatten. Die meisten fielen durch und mussten zuhause weiter schlafen. Aber schließlich hat auch Handwerk goldenen Boden...zumindest goldenen Faden, wie wir nachmittags in einer Seidenspinnerei sehen.

Handwerker wohnen auch in den Dörfern am Roten Fluss, durch die wir beim Biken am nächsten Tag kommen. Oder sind es doch eher Künstler, die neben den Reisbauern wohnen? 

Am Abend gehe ich mit Christina ins Wasserpuppentheater von Hanoi. Die Spieler stehen bis zur Hüfte im Wasser. Trommeln Gongs und Knallfrösche, rauchende Drachen, Fische, Feen und Fabeltiere wirbeln übers Wasser, und wer in der ersten Reihe sitzt, ist bald klitschnass gespritzt.

Vor dem Frühstück wird sich nicht nass geschwitzt, denn die Morgendämmerung von Hanoi gehört den fließenden Bewegungen des Tai Chi. Traditionelle Bewegungsmeditation für Körper und Geist, bevor um 7.30 Uhr der Markt und die Läden öffnen. Irgendwie ist mir das zu früh. Ich nehme mir mit Kevin eine Rikscha, und, ach, wie gut, dass niemand weiß, dass sie uns nicht zur einbeinigen Pagode und auch nicht zu Onkel Ho’s Glassarg im Mausoleum fährt: Der „See des zurückgegebenen Schwertes“ ist genau der richtige Ort in Hanoi, um einfach ein bisschen herum zu hängen.

Halong-Bay

Ha Long, der herabsteigende Drache, muss riesengroß gewesen sein, als er von den Bergen kam und  mit seinem Platsch ins Wasser gleich 3000 Inseln erschuf. Klar, dass Jörg uns alle einschlägigen Seefahrergeschichten erzählt, als wir unter tiefroten Dschunkensegeln zu unserem 3-tägigen Piratenleben aufbrechen. Weiter als die meisten Ausflugsboote fahren wir in die nicht wirklich kleine und unwirklich schöne Bucht hinaus, die von der UNESCO als "Welterbe der Natur" eingestuft worden ist. Tiefblaues und kristallklares Wasser zum Baden, frisches Seafood an Bord, und immer in der Nähe von Inseln, deren geheime Grotten und Höhlen wir nach Lust und Laune erobern.

Hue

Der Nachtzug hat uns in die alte Kaiserstadt Hue gebracht, Herz und Kopf des alten Vietnam. Der Palast am Parfümfluss ist quadratisch und praktisch, weil Konfuzius die Architekten lehrte, das sei gut. Etwas konfus werde ich, als uns Jörg im Thronsaal erklärt, dass die „Mitte“ nach der alten Vorstellung die fünfte Himmelrichtung sei. Hatten wir nicht schon alle Tore durch die sechs Meter dicken Mauern gesehen?

 

Vietcook und Vietkick

„Ran“ heißt Schlange. Ah, ja. Zeigt uns die Küchencrew nun auch, wie man Seidenraupen frittiert? Die Frage stellt sich zum Glück nicht: Es geht eher blumig zu, getreu dem Sprichwort: Wer mit Ess-Stäbchen umzugehen weiß, versteht es auch mit Worten. Also: Am Anfang war die Fischsauce, die Xenia gleich in Viet-Maggi umtauft. Und dann Ga! Ein lautmalerisches Wort, eindeutig ein Huhn. Jetzt kommt noch Xa dazu. Ab in den Lau. Fertig ist Ga Xa. Duftet lecker nach Lemongrass.

Ran an den Schlangenschnaps heißt es dann beim Fahrradtrip am nächsten Tag. Keiner mag glauben, dass sogar Kobragift in diesem hochprozentigen Gebräu ungefährlich ist. Soll sogar gut bei Rückenschmerzen wirken, und nachts unheimliche Energie- und Wärmeschübe auslösen. Was bin ich froh, dass gerade abnehmender Mond herrscht, da soll man sowieso nicht an das Teufelszeug ran, und außerdem wollen wir für den Kick mit einer Jugendmannschaft aus Hue am Nachmittag einen klaren Kopf behalten. Die vietnamesischen Fußballer gelten ohnehin nicht als besonders kopfballstark.

 

Cham-Kultur

Go West heißt in Vietnam Go South. Am Strand von Lang Co verdrängt langsam Coke die traditionelle Kokosmilch, und auf der anderen Seite des Wolkenpasses in Hoi An bestimmen Travellerrucksäcke und Reisstrohhüte gleichermaßen das Bild. Die heilige Stadt My Son war einst das Zentrum der hinduistischen Chamkultur. Vermooste Tempel für Shiva, Lianen und Farne im dichten Dschungel. „Wege nicht verlassen, Minen aus dem Vietnamkrieg zwischen den Ruinen.“ Ein Touch von Indiana Jones. Ich bin reif für die Cham-Insel. Einen Tag lang nix wie nixtun, ein bisschen Bootfahren, grillen und ein bisschen Beach Volleyball. Ein Tag? Ne, in Qui Nhon heißt´s auch in der Hauptsache: Relax.


Saigon

Offiziell heißt es Ho Chi Minh City, und offiziell ist Hupen ohne Anlass verboten. Der Dollar ist auch nicht die offizielle Währung, doch alles jagt ihm hektisch hinterher. Ein bisschen Charme aus der französischen Kolonialzeit ist noch da, nicht nur weil wir zum Frühstück mit Baguette begrüßt werden, und nicht nur, weil die Kathedrale Notre Dame heißt...

Vietcong-Katakomben
Der Einstieg in die verwinkelten Stollen von in Cu Chi gehört zu Vietnam: Die geheime Tunnel-Unterwelt der Befreiungsfront führte zuletzt bis zum Ho-Chi-Minh-Pfad nach Kambodscha. Wir kriechen geduckt durch den Lehm. Wo wir nach Atem ringen, wurde 30 Jahre lang gekämpft. Cu Chi wurde zur "free fire zone" erklärt: Es durfte auf jedes Lebewesen ohne Warnung geschossen werden. „Hier ist kein Hollywoodfilm passiert, Mr. Mel Gibson!“. sagt jemand leise im Dunklen. Von wegen „Wir waren Helden“!

Chinatown

Jörg zeigt uns die schönsten Tempel und Pagoden des quirligen Chinesenviertels Cholon. Hochhäuser sind hier Fehlanzeige. Und dann stürzen wir uns in den riesigsten Asialaden, den man sich vorstellen kann. Haare werden auf offener Straße geschnitten. Es gibt duftenden Arabica-Vietnamkaffee und mindestens 5000 Gewürze und Heilkräuter. Räucherstäbchen, Lackarbeiten, Jadekunst und Holzschnitte... „Kaufe nie, ohne zu verhandeln. Drohe notfalls damit, in der Landeswährung zu zahlen.“ Danke Jörg, Dein Tipp war Gold wert.

 

 

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